Tipps für Jobs im Ausland
Interkulturelles Verhalten - keine Selbstverständlichkeit
![]() |
Auch Auslandseinsätze im Geschäftsleben nehmen immer mehr zu, selbst kleine Unternehmen handeln mittlerweile mit Firmen aus der ganzen Welt. Doch wie steht es mit der zwischenmenschlichen Kommunikation in der fremden Kultur? Zwei Drittel der deutschen Angestellten bemängeln eine fehlende kulturelle Vorbereitung für ihre Auslandseinsätze. Und bis zu 40% brechen ihren Aufenthalt dann frühzeitig ab. Unternehmen schicken ihre MitarbeiterInnen inzwischen immer öfter zu Trainings, in denen sie für das internationale Parkett fit gemacht werden sollen. Kulturverständnis ist das Schlüsselwort, worin die TeilnehmerInnen in den Kursen Nachhilfe erhalten.
Wenn z.B. das, was bei uns als vorbildliches berufliches Verhalten gilt, in China keineswegs auf Gegenliebe stößt, dann liegt das an unserer Kultur. Sie bestimmt unser Handeln, unser Denken und Fühlen. Häufig wird die Kultur auch mit einem Eisberg verglichen. Es gibt sichtbare Anteile, wie z.B. die Musik, die Kleidung und die Küche eines Landes. Der größere Anteil der Kultur liegt jedoch unter der Oberfläche: Werte und Einstellungen, Erziehungsstile, Umgang mit Gefühlen, Verhalten in Beziehungen und vieles mehr. Wir merken aber nicht, dass unser Verhalten und unsere Einstellungen wesentlich von der Kultur geprägt sind.
Typische Eigenschaften von uns Deutschen sind, dass wir uns sehr mit unserer Arbeit identifizieren und unsere Aufgaben verantwortungsbewusst erledigen, ohne das uns jemand kontrollieren muss. In unserem Nachbarland Frankreich dagegen gibt es viele Hierarchiestufen in einem Betrieb. Dort herrscht ein größeres Ungleichgewicht zwischen Vorgesetzten, Mitarbeitern, Eltern, Schüler und Lehrern.
Ein Abteilungsleiter z.B. wird von seinen Kollegen als Autorität wahrgenommen, die als Kontrollinstanz Entscheidungen trifft und Macht ausübt, während bei uns die Hierarchien sehr flach sind, Mitarbeiter duzen ihre Vorgesetzten. Schon Kinder werden ermutigt, für sich selbst einzustehen und ihre Meinung auch vor Autoritätspersonen zu vertreten.
Zeitmanagement funktioniert in anderen Kulturen z.T. etwas anders als in Deutschland. Während hierzulande Zeit Geld ist, gelten in anderen Kulturen Zeitpläne eher als grobe Orientierung.
Und im Hinblick auf Direktheit werden in anderen Ländern unangenehme Dinge wie Kritik eher indirekt ausgesprochen, um in jedem Fall einen Gesichtsverlust zu vermeiden. Small Talk verbessert die Atmosphäre – so jedenfalls handhaben es unsere südeuropäischen Nachbarländer und auch die USA. Wir Deutsche dagegen sind sach- und regelorientiert. Wir kommen gern schnell „zu Potte“, wir lieben schriftliche Verträge und Vereinbarungen – und halten uns daran. In den Augen unserer Partner beweist das allerdings unsere mangelnde Flexibilität und offenbart unser mangelndes Vertrauen ihnen gegenüber.
Laut SIETAR Deutschland, dem bundesweit größten Fachverband für interkulturelle Zusammenarbeit ist ein interkulturell kompetenter Mensch jemand, der
- nicht vorschnell urteilt
- sich selbst infrage stellt
- versucht sich in andere hinein zu versetzen
- versucht, das Anliegen seines Gegenübers ernst zu nehmen und das eigene in angemessener Form zu übermitteln
- eine für beide Seiten akzeptable Lösung aushandelt
So lassen sich ethnische Verschiedenheiten nicht als Bedrohung, sondern Chance sehen, mithilfe der Fähigkeiten und Ressourcen aller ein gemeinsames Projekt zum Erfolg zu führen.
Susanne Doser: 30 Minuten für interkulturelle Kompetenz. Gabal, Offenbach 2006; Almute Nischak: Interkulturelle Kompetenz im Arbeitsleben. Systemischer Verlag, Tübingen 2007; Béatrice Hecht – El Minshawi: interkulturelle Kompetenz. Beltz, Weinheim 2008
