SchülerVZ, StudiVZ, Facebook - wahnwitzige Social Communities oder wichtiger Kontakteknüpfer?

von Eva Pütz

Man kennt das ja: „ Ich geh mal kurz „SVZ“ on„. Man will ja nur mal kurz seine Mails (Nachrichten) checken, dann hat aber der „beste“ Freund schon wieder seine Seite geändert, die „beste“ Freundin die Fotos von der letzten Party hochgeladen und man muss unbedingt jedes einzelne Bild kommentieren mit Sätzen wie „Oh Gott, wie seh’ ich denn da aus“ oder „Nein, wie süüüß“. Außerdem hat man zufälligerweise gerade einen alten Schulfreund gefunden, den man noch schnell „stalken“ (Seite durchlesen, Gruppen durchlesen, aktuellsten Pinnwandeintrag lesen, verlinkte Fotos, sowie eigens rein gestellte Fotos anschauen). Dabei findet man dann auch noch zufälligerweise den Freund eines guten Freundes, der einmal mit einer Bekannten von einem Kollegen und so weiter!

Dann macht es plötzlich so ein komisches Geräusch, welches man nicht versuchen sollte in Worte zu fassen, weil es eh schon schlimm genug ist und ein kleiner schwarzer Brief taucht am rechten oberen Rand auf und XXX schreibt dich wegen deinen Plänen fürs „We“ (meint Wochenende kommt von Weekend) an. Das Ganze nennt man dann „Plauderkasten“. Oder was soll eigentlich dieser Buschfunk sein? Sind wir im Urwald?

Der Erfinder der Bezeichnungen für die einzelnen Aktionen hier ist bestimmt ein 30-jähriger Dschungelfreak, der noch bei seiner Mama wohnt. Aber jetzt mal weiter im Text: schnell sind locker 2 Stunden um. Also ich meine 2 Stunden online sein bei SchülerVZ. Der moderne Teen ist nicht bei einer Socialcommunity, sondern im Schnitt bei 3-5(!) online. Und das oftmals täglich. Nach der repräsentativen Studie der ARIS Umfrageforschung im Februar 2009 im Auftrag des BITKOM sind gut acht Prozent aller Nutzer pro Tag sogar mehr als fünf Stunden online.
1000 Personen in Privathaushalten im Alter von 14 Jahren aufwärts wurden befragt. 37 Prozent der Befragten nutzen das Internet zwischen einer und zwei Stunden, 27 Prozent zwischen zwei und fünf Stunden. Statistisch gesehen verbringt jeder Deutsche 2 Stunden und 20 Minuten täglich(!) im Internet. Auch der Bildungsgrad spielt eine Rolle bei der Nutzung des Internets: 47 Prozent der Abiturienten sind minimal zwei Stunden pro Tag online, bei Usern mit Mittlerer Reife liegt der Anteil bei 23 Prozent, bei Hauptschulabgängern bei 35 Prozent. Voraussetzung ist natürlich ein Internetanschluss. (Quelle: www.Bitkom.de)

Nach „SchülerVZ“ (Schülerverzeichnis), ist man bei „meinVZ“ und bei „StudiVZ“ (wir studieren ja alle schon so schön!!!). Ist ja auch sehr sinnvoll ein Portal einzurichten für Schüler, eins für Studenten und dann auch noch eins für alle zusammen, wobei doch jeder weiß, dass wir alle bei allen dreien sind.
Dann gibt es da noch „Facebook“: Die Meinungen sind gespalten, die einen sagen „Facebook“ wäre besser als „SchülerVZ“, die anderen sehen keinen Unterschied. Es gibt aber Unterschiede! Zum einen ist Facebook weltweit populär und es ist ganz normal, dass man Freunde aus Sri Lanka und Helsinki hat, zum anderen ist Facebook vom Aufbau der Seiten viel weiter ausgebaut und damit auch etwas komplizierter als „SchülerVZ“. Das allerwichtigste ist allerdings: „Facebook“ ist viel sicherer. Die Tatsache, dass sich bei „Facebook“ jeder anmelden kann, ist nicht mehr relevant, da wir doch alle wissen, dass sich bei SchülerVZ auch der ein oder andere Lehrer oder Elternteil rum treibt. Facebook ist da anders, alle können sich anmelden, aber um auf die einzelnen Seiten zu kommen ist wesentlich schwieriger als bei Schüler-Studi-MeinVZ. Klar kann man seine Seite sperren für „Nicht“ Freunde, aber ein etwas technisch begabter kommt auf jede Seite. Nicht jedoch bei „Facebook“, der Nachteil bei Facebook – finde ich – ist jedoch, dass  Werbung viel offensichtlicher ist, also sehr nervend. Allgemein gesehen sind diese ganzen Portale eigentlich ganz praktisch, weil man sich eben mal locker austauschen kann und im Zeitalter von Keiner-schreibt-mehr Briefe ganz einfach Kontakt zu 12000 Kilometer entfernten Freunden halten kann.

Aber wie das so im Leben ist, die Nutzer sind ausschlaggebend. Ich meine, wenn sich jeder auf diesen Communities ordentlich verhielte, würden auch nicht mehr so viele meckern. Mit ordentlichem Verhalten meine ich, Seite sperren, nur Leute annehmen, die du schon mal in deinem Leben gesehen hast oder mit denen du schon mal gesprochen hast und bitte glaube mir, xXBaby210Xx (fiktiver Name) wird sich auch nicht nach Wochen als ein guter Freund herausstellen. Außerdem sag deinen „Freunden“, sie sollen doch bitte nicht die Party Fotos reinstellen, auf der du in der einen Hand eine Bierflasche hast, in der anderen eine Kippe und ein Gesichtsausdruck, als hättest du gerade festgestellt, du könntest fliegen und Bob Marley wäre dein bester Freund. Sehen wir doch mal den Tatsachen ins Auge, Menschen bewerten Menschen an Hand ihrer Akten und neuerdings gehen alle Chefs von Büros, Firmen, Unternehmen, bei denen wir uns später bewerben, immer erst bei Schüler-Studi-MeinVZ, Facebook usw. online, um den möglichen Bewerber mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Und seit euch sicher, diese Menschen kommen auf unsere Seiten, egal wie oft wir auf den Sperr-Button geklickt haben. Und bitte wundere dich nicht, dass du nicht angenommen wirst, wenn deine Hobbys saufen und Party machen sind. Und wenn es tatsächlich deine Hobbys sind, dann wissen das deine Freunde sicher und du musst es nicht noch der ganzen Welt schwarz auf weiß geben.

Das Schlimme an der ganze Angelegenheit ist, je jünger die Geburtsdaten sind, desto, ich sag mal interessanter werden die Leute. So haben z. B. 12 Jährige über 200 Freunde (was für Freunde sollen das sein?) und haben sich auch alle 10.000mal auf die Pinnwand geschrieben, wie sehr sie sich alle für immer und ewig lieben werden. Das mit den Freunden ist so eine Sache und liebes „Schüler-VZ“ Team, es macht auch keinen Sinn Gruppen für seine Freunde zu haben, Leute, die steif und fest davon überzeugt sind über 200 Freunde zu haben (und diese auch für immer und ewig zu lieben!!!) ordnen niemanden in Listen ein. Um fair zu bleiben, gehe ich auch oft bei „SchülerVZ“ online und sag meinen besten Freunden, dass der Grillabend klasse war, aber erstens sag ich ihnen, dass auch so, und zweitens kann man es auch übertreiben. Also in dem Sinne: Verhaltet euch im Internet nicht wie Leute mit einem IQ von 5 und nehmt die Absturzfotos raus, das Internet vergisst nie!

Ach ja: ich liebe euch natürlich auch alle für immer und ewig.

Quelle: Schülerzeitung des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Düsseldorf

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