Heißer Draht nach oben?

Tübinger Schülerinnen und Schüler sprechen über ihr Verhältnis zu Gott

Verneigen sich Jugendliche heute noch in Demut vor einer höheren Macht? Hannah Morris sprach mit Schülerinnen und Schülern aus Tübingen über religiöse Kommunikation zwischen Tischgebet und innerem Monolog. Und stellte dabei die Gretchenfrage: Sag, wie hältst Du es mit der Religion?


Eva Fliethmann (16)

Klasse 11A, Kepler-Gymnasium

Eva Fliethmann fällt es schwer, an einen Gott der Liebe zu glauben, der schlimme Dinge wie Kriege und Armut zulässt. Trotzdem macht ihr die Leitung der Ministrantenorganisation in der Gemeinde St. Paulus viel Freude. Diese „ehrenamtliche Jugendarbeit” empfindet sie als Bereicherung, weil sie im Umgang mit Kindern und als Organisatorin geschult wird. In die Kirche geht sie eher selten. Das Tischgebet hat in ihrer Familie Tradition. „Alleine bete ich aber nicht.“


Felicia Laufkötter (16)

Klasse 1BKH, Mathilde-Weber-Schule

„Es kann nicht einfach so vorbei sein, wenn wir einmal sterben”, erklärt Felicia Laufkötter. „Es geht weiter, da bin ich mir sicher. Und zwar denke ich, dass unsere Seele in einem anderen Menschen weiterlebt.” Außerdem glaubt sie fest daran, dass es etwas Übersinnliches gibt. Dieser Kraft gibt sie den Namen Gott. Vor dem Einschlafen betet sie und lässt sich dabei den ganzen Tag noch einmal durch den Kopf gehen. Sie findet es hilfreich, jemanden zu haben, der ihr zuhört und sie versteht.


Andreas Gathmann (39)

Lehrer, Kepler-Gymnasium

Andreas Gathmann glaubt fest, dass Gott seinem Leben einen Sinn gibt. Der Religionslehrer ist davon überzeugt, dass das Gute in der Welt durch Gott dargestellt wird. Auch glaubt er an ein Leben nach dem Tod. Als Student hat er viel in der Bibel und anderen religiösen Schriften gelesen. Der sonn tägliche Kirchengang und das Gebet sind für ihn sehr wichtig. „Beim Beten bringe ich meine Dankbarkeit gegenüber Gott zum Ausdruck. Es fördert auch die Konzentration und die innere Ruhe.“


Sebastian Schöner (16)

Klasse 11A, Kepler-Gymnasium

Sebastian Schöner ist nicht religiös, weshalb er auch nicht betet. „Es gibt keinen ausschlaggebenden Beweis für die Existenz Gottes“, argumentiert der 16Jährige. Trotzdem kann er es verstehen, dass andere Menschen an ein höheres Wesen glauben, zu dem sie sogar ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen. „Es mag sein, dass es anderen Menschen etwas bringt, wenn sie an Gott glauben und in die Kirche gehen. Für mich persönlich hat es aber keinen Vorteil, an Gott zu glauben.”


Pina Kreft (17)

Klasse 11A, Kepler-Gymnasium

Pina Kreft glaubt, dass in jedem Menschen ein Teil von Gott wohnt. Deshalb geht sie auch nicht regelmäßig in die Kirche. Denn sie ist davon überzeugt, dass Gott überall ist. Die Bibel kennt sie vom Religionsunterricht und findet, dass sie lehrreiche Geschichten beinhaltet, „die allerdings viel zu oft falsch interpretiert werden“. Die Schülerin betet selten. Stattdessen führt sie manchmal kleine innere Monologe mit sich selbst, bei denen sie Wünsche und Fragen an sich und die Welt äußert.

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