Zu beachten sind hier folgende Punkte: Für die Teilnehmer ist es oft die erste Reise ohne Eltern. Das häufige Auftreten von Ehrenamtlichen, die Reiseleiterfunktionen wahrzunehmen versuchen, birgt ebenso Probleme wie die bei Auswahl der angemieteten Busse fortgesetzte Kosteneinsparung.
Auch die teilweise Selbstverpflegung und die Art der ausgewählten Unterkunft (etwa Jugendherberge) bergen Konfliktpotenzial zwischen Busfahrer (Bordküche, ungewohnte Verpflegung und Unterkunftskomfort), Gruppe und Reiseleiter. Umso wichtiger wird so bei Jugendreisen die Vorbereitungsphase der Reise.
Der jugendfreundliche Busfahrer ist von zentraler Bedeutung. Immerhin wird sich nicht jeder Fahrer darauf freuen, mit einer „Horde frecher Flegel“ unterwegs zu sein, die seinen Bus beschmutzen, kein Trinkgeld geben, die Bordküche benutzen, aber nicht seinen Kaffee kaufen wollen oder seine Musik nicht mögen … Freilich darf dies nicht dazu führen, dass der Reiseleiter devot und froh sein muss, dass überhaupt ein Fahrer da ist. Auftrag ist Auftrag und muss gut erledigt werden – dies gilt auch für die Fahrer von Jugendgruppen. Allerdings muss (auch im eigenen Interesse) der Jugend-Reiseleiter auch das Seinige durch Vorbeugen von Konflikten dazu beitragen:
• Die typischen Kompetenzprobleme Fahrer–Reiseleiter erhalten bei Jugendreisen besondere Gewichtung: Ablehnung von Autorität durch die Gruppe, Ausnutzen von Fahrer-Reiseleiter-Konflikten zur Unterhöhlung der Autorität des Reiseleiters als Jugendgruppenleiter; andererseits respektieren manche Fahrer Jugendliche nicht als Kunden.
• Diesem Konfliktpotenzial kann durch eine vorherige Kontaktaufnahme mit dem Fahrer vorgebeugt werden.
• Jugendreiseleiter sind selbst meist salopp und haben manchmal größere Autoritätsprobleme als Reiseleiter von „normalen“ Gruppen.
• Auf Disziplin in der Gruppe (Sauberkeit, schonende Behandlung des Busses) achten, Appell an Solidarität mit der Arbeit des Fahrers.
• Wahrung des Abstandes zu pubertierenden Gruppenmitgliedern, die abends mit dem „coolen“ Reiseleiter und Busfahrer Trinkspiele spielen oder diese mit in die Disco nehmen wollen.
Durch Vorinformation an Eltern und Gruppe (Brief oder Info-Abend) kann man Verbote in der Anfangsrede im Bus vermeiden und zudem die Eltern in die Verantwortung mit einbeziehen.
Bei Jugendreisen sind häufig auch die Eltern zugegen, die zu größerer Unruhe beitragen. Umso wichtiger ist es, bereits in der Abfahrtsphase vor Ankunft des Busses die organisatorische Fürsorge und Kompetenz des Jugendreiseleiters zu zeigen und professionell aufzutreten.
Die Auswahl der Raststätten ist einerseits vom knappen Reisebudget der Jugendlichen bestimmt. Andererseits kann die Flexibilität des Busses genutzt werden zu Abstechern von der Autobahn zu landestypischen Gaststätten, um Land und Leute besser kennenzulernen. Die Gefahr, dass sich Teilnehmer verlaufen oder die Abfahrtszeit übersehen, ist hier jedoch größer als bei „normalen“ Reisen. Die Konsequenzen stehengelassener Gäste sind – im juristischen Sinne – gravierender.
Mit Vorsicht ist auch mit zusätzlichen fakultativen Ausflügen, Veränderungen des Programms und Austausch von Programmteilen umzugehen, die bei Erwachsenen schon nicht unproblematisch sind. Sie können bei der Jugendreise Rechtsfolgen haben, wenn die zahlenden Eltern später damit nicht einverstanden sind und Regress fordern.
Dieter Gauf
Artikel erschienen in der Bus-Fahrt 4/2009, eine Fachzeitschrift der Stünings Medien GmbH, Krefeld, www.busfahrt.com.